Castingfehler

Seit etwas über drei Jahren bin ich bei einem Arbeitgeber angestellt, der naiv genug ist die agilen Werte realwirtschaftlich umzusetzen. Vermutlich hat den Seiberts einfach nie jemand erzählt, dass das neoliberale Propagandalügen sind, die für die Akzeptanz bei den ArbeitNEHMERN gedacht sind.

Jedenfalls hat die Situation für mich den Vorteil, dass ich nebenher zwei Lehraufträge an zwei unterschiedlichen Hochschulen im derzeit laufenden Semester annehmen und weiteren (un-)sinnstiftenden Tätigkeiten nachgehen kann.

Aus der Warte des Storytellings gesehen, war ich daher etwas verblüfft, dass der Spiegel ausgerechnet die Seiberts für die Rolle des kontrollwahnsinnigen Sklaventreibers 2.0 nimmt: Wer würde Darth Vader mit Woody Allen besetzen?

Ernsthaft: Meine Kollegen und ich haben unbefristete Arbeitsverträge, können kommen und gehen wann es uns passt und haben eine erfreulich schlipsträgerfreie Zone um unseren Arbeitsplatz.

Gibt es also doch ein richtiges Leben im falschen?

Sagen des klassischen Managements
Schaut man sich die Erfolgsquote von Softwareprojekten an, so kann man auf die Idee kommen, dass dieser Bereich der wirtschaftlichen Realität irgendwie defekt ist. Kernel panic sozusagen, oder besser: Blue Screen.

Um die Gründe für diese Seltsamkeit nachzuvollziehen, versetzen Sie sich am besten mental zurück in Ihre Schulzeit, Mathematikunterricht:

Szenario A:
Sie müssen einen mathematischen Beweis führen. Der Lehrer stellt sich neben ihren Schreibtisch und schreit fortwährend aufbauende Dinge wie: “Schneller, du Null! Wer hat dich überhaupt auf’s Gymnasium gelassen?”

Szenario B:
Sie müssen auch hier einen mathematischen Beweis führen, allerdings dürfen Sie mit Ihren Mitschülern sprechen. Zudem hält sich Ihr Lehrer zurück und antwortet freundlich auf Fragen, wenn Sie sie an ihn richten.

Nun übertragen Sie das in die Softwareproduktion, wobei A dem klassischen Management und B dem agilen Ansatz entspricht. Unter welchen Bedingungen entstehen wohl die besseren Ergebnisse?

Genau.

Menschenwürdige Beschäftigungsverhältnisse im Bereich der agilen Softwareentwicklung sind nicht durch Nächstenliebe motiviert. Sie sind vielmehr eine, wenn auch aus Sicht des Arbeitnehmers sehr willkommene, Nebenwirkung.

Die berufliche Tätigkeit in diesem Bereich ist nicht nur sehr abstrakt und formal logisch fordernd. Sie ist zudem auch in vielen Fällen auf ein bestimmtes technisch/fachliches Umfeld (a.k.a. IT-Landschaft) speziell zugeschnitten. Der Softwareentwickler wird durch den Code, dessen Funktionsweise er und nur wenige andere Entwickler kennen, deutlich schwerer ersetzbar.

Meine finstere Vergangenheit …

Nun habe ich vor meiner Anstellung als Softwareentwickler bei //SEIBERT/MEDIA einen andern Beruf ausgeübt.
Nach meinem Diplom 2004 war ich sieben Jahre freiberuflich als Designer tätig. Die Arbeitsrealität im Medienbereich, so wie sie sich mir zeigte, hat nichts mit den Bedingungen in der Softwareentwicklung zu tun. Gestaltung wird meist als abgeschlossene Einzelleistungen beauftragt. Das macht Arbeit- wie Auftragnehmer in Gestaltung und Werbung leicht austauschbar.
Das Resultat: Während man als „IT-Professional“ sozusagen in Schweden lebt, fühlt man sich als Designer in sehr, sehr vielen Fällen als sei man in Nordkorea beheimatet (nur dass man als selbstständiger Designer weniger Freiheiten hat).

Vor diesem Hintergrund scheint mir der Artikel des Spiegels die falsche Branche und ganz sicher das falsche Beispiel herausgepickt zu haben.


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